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30.12.2009

Neues Leben im alten Kirchkrug?

Tolk

 

Gaststätte fand im vierten Anlauf der Zwangsversteigerung für 50 000 Euro einen neuen Besitzer / Gemeinde sagt Unterstützung zu

Der Kirchkrug in Tolk soll nach mehreren Jahren Pause aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden. Im vierten Versteigerungstermin fand sich ein Investor, dessen Gebot von der Bank akzeptiert wurde. Doch wie sich die Immobilie weiter entwickelt, steht noch nicht fest – auch wenn die Gemeinde alles tun will, um hier wieder eine Gaststätte mit Saalbetrieb zu etablieren.
Irgendwie hat der Pleitegeier eine spezielle Beziehung zum Kirchkrug. Denn auch Familie Seeck, die den Krug bis in die Neunzigerjahre betrieb, hatte ihn auf einer Zwangsversteigerung erworben. Danach wurde er verpachtet und später verkauft. Der seinerzeit neue Besitzer empfahl sich anfangs durch seine multinationale Küche und eine ansprechende Gastronomie. Er investierte viel – vor allem in die Nebenräume, die er letztendlich als Bordellzimmer nutzte.

Das führte dazu, dass der normale örtliche Publikumsverkehr praktisch vollständig versiegte. Denn eine Beerdigungsfeier, eine Gemeindevertretersitzung oder ein Familienbesuch in einem derartigen Etablissement war undenkbar. Und alleine ließen die Ehefrauen ihre Männer nicht einmal zum Skatspielen dorthin.

Die Insolvenz kam schnell. 2006 stand die Immobilie erstmals zur Versteigerung. 2007 gab Bürgermeister Andreas Thiessen als Einziger ein Gebot weit unter dem Mindestwert ab, um den Versteigerungsprozess in Gang zu halten. Beim dritten Versteigerungstermin fand sich eine Bietergemeinschaft aus dem Ort, die auch für 75 000 Euro den Zuschlag erhielt. Doch diese Summe war der Gläubigerbank nicht genug und das Objekt blieb weiter ohne Besitzer.

Beim vierten Termin, im Oktober dieses Jahres, waren der Bank dann bereits 50 000 Euro genug. Bürgermeister Thiessen hatte den Scheck bereits in der Tasche – als Heinrich Goudschaal aus Waabs/Schwansen auf den Plan trat. Der Kleinbauunternehmer war eigentlich nur als Fahrer mitgekommen, sah aber dann die Möglichkeiten der Immobilie. Und Thiessen war froh, dass er die Situation als Investor umgehen konnte.

Obwohl Goudschaal kein Geld dabei hatte, bekam er bei 50 000 Euro den Zuschlag und am 4. November die Schlüssel des Kirchkrugs. Seitdem läuft die Suche nach einem geeigneten Pächter für die Gaststätte mit Gesellschaftsraum, Saal und Fremdenzimmern.
„Wir wollen versuchen, den Kirchkrug wieder als Gaststätte zu betreiben“, erklärt der neue Besitzer mit Blick zum Bürgermeister. Und dieser stellt sogar Gemeindeunterstützung bei diesem Prozess in Aussicht. „Wenn Gaststätte und Saal wieder aufgemacht werden, wollen wir mit einer Anschubfinanzierung helfen, um die gesamten behördlichen Aufgaben meistern zu können“, erklärt Thiessen. Es sei ein schwieriger Start, wenn eine Gaststätte ein paar Jahre leer gestanden habe und eine neue Konzession beantragt werden müsse. Dann habe man Probleme mit Brandschutz, Gesundheitsamt und anderen Bedenkenträgern, so der Bürgermeister. Über die genaue Form der Hilfe sei man noch nicht einig, da hierbei auch rechtliche und wettbewerbstechnische Randbedingungen zu berücksichtigen seien.

Doch eine Sache ist für Goudschaal sicher: „Eine Küche wird es nicht geben“, das sei zu aufwendig. Nebenan gebe es einen Partyservice, und es existierten auch noch andere Möglichkeiten, sich das Essen bringen zu lassen. Auch so gingen die Investitionen ins Geld. Neue Fenster, sanitäre Einrichtungen, Eingangstür, Isolierung und Fußboden des Saals sowie Probleme beim Abwasser lassen die Schätzwerte zwischen 50 000 und 100 000 Euro pendeln. Und es soll schnell gehen. Denn wenn die Gaststätte wiedereröffnet wird, soll das spätestens zur Touristensaison 2010 sein.

Und falls sich kein Pächter findet? Dann werden dort vermutlich Wohnungen entstehen. „Dieses Modell wäre schnell zu realisieren“, erklärt der Bürgermeister. Eine Wohnung existiere bereits. Aus den Einzelzimmern, die alle einen eigenen Sanitärbereich haben, könne man Apartments machen oder sie zu Wohnungen zusammenfassen. Und auf der Gaststättenfläche könnten zwei Wohnungen unterkommen. Auch mit dieser Lösung könne man in Tolk leben.
Autor: Claus Kuhl, 30.12.2009 
Quelle: www.shz.de