Kooperation mit dem Landesförderzentrum Hören in Schleswig
Seit vier Jahren läuft zwischen dem Landesförderzentrum Hören Schleswig und der Kreismusikschule Schleswig-Flensburg eine erfolgreiche Kooperation: Ausgebildete Musikpädagogen unterrichten in besonderen Stunden Kinder und Jugendliche.
Musikalische Grundausbildung
Fragen an Musiklehrerin Susanne Thede:
Mit welchem Auftrag sind Sie in diese Kooperation gestartet?
Es sollte ein musikalisches Angebot für die Kinder am Nachmittag geben.
Wie sind die Gruppen zusammengesetzt?
Aus Schülerinnen und Schülern der ersten drei Grundschuljahre, die fast alle mit Hilfe von Cochla-Implantaten zumindest ein bisschen hören können. Die Gruppenstärke beträgt 12 bis 20 Teilnehmer.
Wie sind die Stunden inhaltlich aufgebaut?
Es gibt einen Wechsel aus Bewegungseinheiten, Singen, Spiel mit dem Kleinen Schlagwerk sowie Tänze, um rhythmische Strukturen zu lernen.
Welche besonderen Aspekte stehen im Unterricht im Vordergrund?
Rhythmus und Motorik.
Welche Erfolge, Fortschritte können die Kinder erleben?
Die Kinder entdecken Freude an Liedern, Tänzen, dem Instrumentarium und begreifen musikalische, besonders rhythmische Abläufe
Die Popshop-Band im Landesförderzentrum Hören Schleswig
Fragen an Musiklehrer Arne Frercks (Klangtherapeut):
Mit welchem Auftrag sind Sie in diese Kooperation gestartet?
Der Auftrag ist, ein Bandprojekt für Schüler des Landesförderzentrums Hören anzuleiten. Das Bandprojekt ist auf längere Sicht konzipiert, d.h. wir arbeiten auch mit längerfristigen Zielen wie jede andere richtige Band. Da dieses Angebot für die Schüler neu ist, und die meisten von Ihnen auch keine Erfahrung im Spielen eines Instruments haben, ist absolute Basisarbeit teil des Auftrags. Wir fangen bei null an: wie funktioniert eine Band? Wie lerne ich mein Instrument zu spielen? Was wollen wir gemeinsam erreichen?
Wie sind die Gruppen zusammengesetzt?
Die Gruppe mit der ich arbeite besteht aus drei Mädchen und zwei Jungs im Alter zwischen 12 und 16 Jahren. Alle Schüler können mit verschieden großen Einschränkungen hören.
Wie sind die Stunden inhaltlich aufgebaut?
Da die Teilnehmer nur absolute Basiskenntnisse besitzen, was das Instrumentalspiel angeht, fangen wir mit sehr einfachen Abläufen an, die jedoch mit relativ geringem Aufwand zu Erfolgserlebnissen führen. Bsp.: wir erarbeiten zwei Akkorde auf den Instrumenten Keybord, Gitarre und Bass. Wenn alle auf dem von ihnen gewählten Instrument die Griffe mehr oder weniger beherrschen, beginnen wir, uns auf das Zusammenspielen zu konzentrieren. Wie schaffen wir es, ein gemeinsames Metrum zu finden? (lautes Zählen) Wie steige ich wieder ein, wenn ich durcheinander gekommen bin? Hin und wieder streue ich einfache musiktheoretische Informationen ein. Was ist Dur und moll? Wie funktioniert ein 4/4 Takt oder ähnliches. Das Erfolgserlebnis, gemeinsam zu spielen, soll allerdings im Vordergrund stehen. Seit zwei Monaten ist das Bandangebot um eine 45 Min. Unterrichtseinheit erweitert, die dem Vertiefen des erlernten dient, bzw. eine Art Basis Instrumentalunterricht ist. An diesem Unterricht nehmen im Wechsel jeweils zwei der Schüler teil.
Welche besonderen Aspekte sind im Unterricht zu beachten?
Das langsame und deutliche Sprechen ist natürlich sehr wichtig. Augenkontakt und auch immer mal wieder nachfragen, ob alles verstanden wurde, gehört zur Kommunikation. Es ist nicht unbedingt leicht für die Schüler, von sich aus zu äußern, dass etwas schwierig zu verstehen war. Ich frage einfach viel nach, auch wie der Höreindruck in der doch manchmal eher lauten Geräuschkulisse innerhalb des Bandgeschehens wahrnehmbar ist. Durch Hörhilfen können einige Geräusche als extrem unangenehm empfunden werden, was ich als normal Hörender erstmal nachempfinden lernen muss.
Welche Erfolge, Fortschritte können die Kinder erleben?
Sie genießen das relativ schnell erreichte Erfolgserlebnis, als Band zusammen zu spielen, sehr und sind natürlich stolz, die Schulband zu sein und sind dementsprechend motiviert, bühnenreif zu werden. Besonders drei der fünf wollen unbedingt ihr Instrument richtig spielen lernen und üben eigenständig zu Hause, um bei der nächsten Probe stolz das Erlernte zu zeigen.
(Ausschnitt aus der Website der Schule)
Die Georg-Wilhelm-Pfingsten-Schule ist die stationäre Schule für Schwerhörige und Gehörlose des Landesförderzentrums Hören in Schleswig. Sie heißt Georg-Wilhelm-Pfingsten-Schule. Etwa 150 Kinder werden hier in kleinen Klassen unterrichtet und können so unter sehr guten Rahmenbedingungen erfolgreich lernen und ihre lautsprachliche und gebärdensprachliche Kompetenz verbessern. Die Schüler kommen aus ganz Schleswig-Holstein und leben die Woche über im Internat, wenn sie zu weit von Schleswig entfernt wohnen. Mehr unter: www.lfzhoeren-schleswig.de
Information und Anmeldung
Kreismusikschule Schleswig-Flensburg
Tel. 04621 960 118 * Fax 04621 960 130
Email KMS@schleswig-flensburg.de
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