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27.02.2010

Tiefe Gräben in der Schullandschaft

Nach dem abgeblasenen Zusammenschluss der Bildungseinrichtungen in Südangeln werden Lösungen gesucht / Was wird aus Tolker Direktor?
Am Südangeln

 

Durch den zwar einstimmig im Amtsausschuss Südangeln gefassten, aber nicht von allen Mitgliedern geliebten Beschluss, die Fusion der Grundschulen von Tolk und Böklund nicht weiter zu verfolgen, steht die Schulorganisation des Amtes vor erheblichen Problemen. Mit Ausnahme der Grundschule in Böklund werden vermutlich alle Grundschulen des Amtes in den nächsten Jahren unter die 80-Schüler-Marke fallen und damit alleine nicht mehr lebensfähig sein.
Die „große“ Lösung für die Grundschulen im Amt Südangeln, bei der alle Standorte in Böklund, Tolk, Schaalby, Neuberend und Nübel erhalten und nach und nach als „Satelliten“ von Böklund aus geleitet werden sollten, ist damit vorläufig vom Tisch. Widerstand gegen diese Lösung gab es primär von der Gemeinde Tolk. „Ich weiß nicht, wie ich meinen Bürgern und der Gemeindevertretung verkaufen soll, dass nach Verlust des Amtssitzes und der Post jetzt auch noch die Schulhoheit den Ort verlassen soll“, sagte Bürgermeister Andreas Thiessen.
Das Ministerium für Bildung und Frauen gab inzwischen grünes Licht für eine organisatorische Verbindung der Grundschulen von Tolk, Schaalby und Neuberend/Nübel, in Abhängigkeit von der Vakanz der Schulleiterstellen – einen entsprechenden Beschluss hat der Amtsausschuss inzwischen gefasst. Doch dessen Umsetzung wird nicht einfach sein.
Die Schulen von Neuberend und Nübel werden mit Beginn des kommenden Schuljahres vereinigt. „Es wird mit Sicherheit ein eigener Schulleiter für diese neue Schule mit dem Hauptsitz Nübel eingesetzt werden“, stellt Schulrätin Ursula Gern fest. Nübels Schulleiter Horst Ohlsen werde in den Ruhestand gehen. Sie gehe davon aus, dass dann Sabine Voss-Teuber, Schulleiterin von Neuberend, die Leitung übernehme – das sei aber noch nicht vertraglich abgesichert.
In Schaalby sind derzeit keine Fusionstendenzen zu erkennen. Schulleiter Ulrich Brüggemeier wird dort noch zwei Jahre bis zu seinem Ruhestand das Heft in der Hand behalten.
Zum Verlierer der Neuorganisation könnte Johannes Lucas, renommierter Schulleiter der Tolker Schule, werden. Nach dem landesweiten „Aus“ für die Hauptschulen und der daraus resultierenden Reduzierung der Schülerzahlen an der Tolker Schule ist er zu hoch besoldet. Dies wird zurzeit ausgeglichen durch die Tatsache, dass er zusätzlich kommissarisch die Leitung der Böklunder Grundschule mit übernommen hat. „Diese Beauftragung war ein Vorgriff auf die geplante große Lösung“, erklärt Schulrätin Christine Jesumann. „Wir müssen natürlich eine Schule finden, an der Herr Lucas angemessen besoldet wird“, sagt sie. Die nahe liegende Lösung, Lucas die Leitung der Grundschule in Böklund zu übertragen, bereitet aber Schwierigkeiten, da dort die Gesamtschülerzahl unter 180 gerutscht ist, was ebenfalls eine Besoldungsreduzierung für Lucas bedeuten würde und die es nicht einmal erlaube, dort eine Konrektorenstelle einzurichten.
Lucas selbst bedauert das Ende der großen Lösung: „Wir hätten endlich im Amt ein einheitliches pädagogisches Konzept vom Kindergarten über gut besetzte Satellitenschulen bis zur Regionalschule gehabt“, sagt er. Über seine berufliche Zukunft will er zurzeit keine Aussagen machen. „Aber ich habe schon eine Vorliebe für die Schule, an der ich seit zwölf Jahren unterrichte.“ Diese Lösung ist aber nur möglich, wenn er selbst eine Gehaltsrückstufung beantragt oder das Ministerium eine Ausnahmeregelung erlässt. Falls dies nicht geschieht, wird die Schulrätin für ihn einen Arbeitsplatz außerhalb des Amtes Südangeln finden müssen.Und dann könnte es passieren, dass Tolk doch seine Schulhoheit verliert. Denn bei der politisch gewollten Fusion mit der Grundschule Schaalby würde vermutlich deren Leiter die Gesamtleitung übernehmen und die Schulhoheit dort verbleiben. „Denn ich glaube kaum, dass die einwohnerstärkste Gemeinde des Amtes Südangeln es zulässt, dass ihre Schulleitung ohne Not nach Tolk überwechselt“, sagte dazu bereits im Vorfeld der Entscheidung Amtsvorsteher Hans-Werner Berlau, eifriger Verfechter der großen Lösung.
Autor: Claus Kuhl, 27.02.2010 
Quelle: www.shz.de