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31.10.2014

Windräder sollen leiser werden

%Neue Rotorblätter für Süderfahrenstedter Anlagen in der Testphase

 

Süderfahrenstedt

Es bleibt das unumstrittene Streitthema Nr. 1 in Süderfahrenstedt: die Lautstärke der neuen Windkraftanlagen. In der jüngsten Einwohnerversammlung brach es aus einigen der 75 zur Versammlung erschienenen Bürger heraus. Nach Darstellung des Sachstandes machten sie ihrem Ärger über den lauten Schall der Windräder Luft. Zum Teil flogen die Fetzen, zum Teil blieb die Diskussion aber auch sachlich. Allen Äußerungen war gemein, dass das in der Planungsphase gegebene Versprechen, dass die beiden neuen Anlagen nicht lauter sein werden als die alte Anlage, keinesfalls eingehalten worden sei. „Das ist die Messlatte!“, forderte Johannes Jessen unter Beifall.

Tatsächlich leide man aber unter einer gravierenden Verschlechterung, monierte ein Außenanlieger. Und ein anderer lud die anwesenden Vertreter der Herstellerfirma für eine Woche Urlaub in sein Haus ein. Dann würden sie hören, dass die bisher durchgeführten Schallmessungen nichts mit dem zu tun hätten, was an der Bebauung ankomme. Auch der Gastwirt goss Öl ins Feuer, sagte, dass schon Gäste seine Außenterrasse verlassen hätten, weil beim rhythmischen Schlagen der Rotoren das Bier nicht schmecke.

Bürgermeister Heinrich Mattsen teilte die Sorgen seiner Einwohner. Schließlich nahm Wolfgang Schoofs von den Schleswiger Stadtwerken den Druck aus dem Kessel: Als ortsnaher Investor identifiziere man sich mit den Bürgern. „Wir sind hier, weil wir das Problem erkannt haben und Ihre Wohnqualität ernst nehmen“, versuchte er die Anwesenden zu beruhigen. Als Auftraggeber übe man Druck aus und halte den Kaufpreis für die Anlagen zurück, bis diese den Anforderungen entsprechen. Für neue Entwicklungen brauche man jedoch einige Monate, und bis dahin würde man die Betriebszeiten reduzieren.

Rotorblätter mit neuer Geometrie seien zurzeit in der Testphase: Hinterkantsegmente mit Zacken über 13 Metern Länge würden die Turbulenzen hinter den Rotoren verringern. Dadurch komme man um einige Dezibel der jetzigen 105,9 herunter, versprachen die Hersteller. Und Bürgermeister Mattsen versprach, dass man sich in großer Dorfrunde erneut zusammensetzen werde, bevor die dann modernisierten Anlagen endgültig freigegeben würden.

Darüber hinaus berichtete der Bürgermeister vom Leerstand alter Häuser und dass ein neues Baugebiet wegen zu hoher Kosten für ein Immissionsschutzgutachten zunächst nicht in Angriff genommen werde. Hendrik Hansen informierte über die jüngsten Wegesanierungsarbeiten, Frauke Frank stellte Traditionelles und Neues in ihrem Kulturkalender vor, und Johann Thomsen zeigte die kommunalen Pflichtaufgaben auf, deren Kosten beständig stiegen, was nicht durch die Einnahmen zu decken sei. So werde die Rücklage schon in einem Jahr aufgebraucht sein; für 2016 erwarte man sogar einen freien Finanzspielraum von minus 26 Euro für jeden der 478 Einwohner.

Amtsdirektor Heiko Albert spannte den defizitären Bogen bis zur Finanzbeziehung zwischen Land und Kommunen: Die hier zu verteilenden 1,3 Milliarden Euro würden bald neu verteilt, wobei kleine Gemeinden die Verlierer seien. Weil auch die Kreise zugunsten der Ballungszentren mit weniger Geld auskommen müssten, würden sie wohl ihre Umlage erhöhen müssen und so die Dörfer zusätzlich schröpfen. Obwohl auch die Ämter ständig mehr Geld bräuchten, zum Beispiel für die Aufnahme von Flüchtlingen, wolle das Amt Südangeln seine Gemeinden nicht zusätzlich schwächen und die Amtsumlage stabil halten.

Autor: stz, 31.10.2014 
Quelle: www.shz.de